Geschichtliches zum Bezirk Brixen und seinen Schützen

8  320x240 chronik 1 Chronik Der Brixner Talkessel

Aspekte seiner historischen Entwicklung und seiner Stellung in der Tiroler Geschichte Ein Beitrag Zum Bezirksschützenfest und zum Jubiläum der Stadt Brixen
vom Prof. Franz-Heinz v. Hye

Das Brixner Becken bildet, neben jenen von Innsbruck und Bozen, eine der wichtigsten Verkehrslandschaften des Landes Tirol. Alle drei Orte sind dadurch charakterisiert, dass in ihrem Beckenbereich in das jeweilige Haupttal ein zweites, verkehrstragendes Haupttal einmündet. In Innsbruck ist dies das den Brenner überschreitende Wipptal, in Bozen dessen südwärtige Verlängerung, das Eisacktal und im Brixner Becken findet das kommunikative Zusammentreffen des Pustertales mit dem Wipp- und Eisacktal statt. Es ist daher kein Wunder, dass diesen drei natürlichen Beckenlandschaften vom Menschen zentralörtliche Funktionen zugewiesen worden sind – dem einem Ort früher, dem anderen später.

Für Brixen fiel diese Entscheidung mit dem Jahre 901, als vor nun mehr als 1100 Jahren der alte Reichshof „Prihsna” an der Einmündung der Rienz in den Eisack durch König Ludwig das Kind dem Bischof von Säben geschenkt worden ist, was in den folgenden Jahrzehnten (spätestens bis 967) die Übersiedlung des Bischofssitzes von Säben herunter auf die bequeme Talebene von Brixen zur Folge hatte. Die Niederlassung des Bischofs, der seit den kaiserlichen Grafschafts-Schenkungen von 1027 und 1091 auch regierende Reichsfürst geworden war, verlieh dem Orte jene kirchlich-kulturelle, politische und wirtschaftliche Bedeutung, die noch im 10. Jahrhundert zur Anlage eines Marktes und hierauf im 11. Jahrhundert zur Erweiterung desselben zur Stadt (erste „urbs”-Nennung, 1050/65) geführt hat. Nach der Anlage der Stadt erhielt der ältere Markt die Bezeichnung Alter Markt bzw. die betreffende Straße die noch heute übliche Bezeichnung „Altenmarktgasse” (urkundlich belegt seit 1223). Fortan blieb Brixen bis zum heutigen Tage einer der zentralen Orte des Landes Tirol, wenngleich die Auflösung des Reichsfürstentums (1803) und die Verlegung der Bischofsresidenz im Zuge der Neuordnung der drei Tiroler Diözesen (1964) gewisse funktionale Reduktionen mit sich angebracht haben.

Mit diesen Feststellungen sind wir jedoch unserer generellen Darstellung zur Geschichte des gestammten Brixner Beckens weit vorausgeeilt und wollen nun versuchen, die Grundzüge der allgemeinen Siedlungs- Lind Verkehrsgeschichte des Brixner Beckens im Überblick darzustellen. Ein Blick auf die archäologischen Funde, z. B. der Mellauner Kultur der Älteren Eisenzeit um 750-350, sowie auf eine Reihe von vorrömischen und lateinischen Ortsnamen wie Lajen, Gufidaun, Albions, Albeins, Klerant, Elvas, Natz und Schabs sowie Spinges,Vals und Meransen auf der linken Seite des Eisacktales, wie nicht weniger Verdings, Schnauders, Schalders und Vahrn auf der rechten Seite illustrieren in aller Deutlichkeit, dass die erste Phase der Besiedlung in der vor Hochwasser geschützten Region auf den Terrassen und mäßig abfallenden Hanglagen der beiderseitigen Talhänge vor sich gegangen ist.

Die Anlage der Römerstraße vom Bozner Becken durch die Talenge bei Blumau bzw. durch den Kuntersweg um 300-312 ermöglichte es, nun endlich auch die Gunst der Tallage für den Verkehr zu nutzen, doch fand dies – abgesehen von der Säbener Klause nur wenig siedlungsmäßigen Niederschlag. Spuren der Römerstraße in diesem Abschnitt des Eisacktales sind der Meilenstein des Kaisers Maxentius von 312 in Blumau (Original im Bozner Museum) sowie der archäologisch festgestellte Straßenverlauf von Albeins, Sarns und Milland über Stufels, Elvas, Natz und Schabs, zu der durch das Cadore und das Pustertal dem Brenner zustrebenden Via Claudia Augusta Altinate.

Das Ende des antiken Imperium Romanum und damit das Ende der römischen Straßenverwaltung brachte dann überall dort den Verfall der Römerstraße, wo der natürlichen Erosion vor allem des Eisacks nicht mehr durch die pflegende Hand des Straßenverwalters entgegengewirkt worden ist. Eine Folge dieser veränderten Verhältnisse war es, dass Verkehr, Wirtschaft und Siedlung wieder in die sicheren Hochlagen zurückkehrten. Diese Entwicklungsphase fand dadurch dauerhaften, bis in unsere Tage wirksamen Ausdruck, dass eben in diesen Zeiten, spätestens seit dem Ende des 5. Jahrhunderts die von Süden her begonnene Verbreitung des Christentums und die Gründung nicht nur des Bischofssitzes auf Säben, sondern auch die Errichtung der ersten Pfarren und zwar nicht am Talboden, sondern vielfach hoch oben am Talhang stattgefunden hat. Die Sitze dieser Altpfarren im Eisacktal und im Brixner Becken befinden sich daher noch immer, wie zur Zeit ihrer Gründung, in jener Höhenlage, in der sich damals die Zentren der ländlichen Siedlung befanden und wo sich daher Verkehr, Wirtschaft und eben auch das religiöse Leben abgespielt haben. (Eine temporäre Sonderstellung nimmt allein Latzfons ein, dessen Pfarrsitz um 1210 zum 12-Apostel-Spital in der Eisackau ober Klausen verlegt worden ist). Konkrete Beispiele für diese Altpfarr-Sitze sind rechts des Eisacks, oben am Ritten Lengmoos, weiters Villanders, gefolgt von Säben, Latzfons und Feldthurns, jenen dörflichen Altgemeinden links des Eisacks, ebenfalls vorwiegend in Hochlage, die Sitze der Altpfarren in Völs am Schlern, Kastelruth, Albeins, St. Andrä, Natz, Rodeneck und Lüsen gegenüber stehen. Die Hochlage aller dieser Pfarrsitze erklärt sich nur aus dem Umstande, dass zum Zeitpunkt ihrer Errichtung die betreffenden Höhenwege einerseits am Talhang und andererseits im Bereich von waldreichen Übergängen wie z. B. in Lüsen mehr begangen und benützt worden sind als jene am hochwasserbedrohten Talboden.

Die neuerliche Rückkehr des Verkehrs zum bequemeren Talboden und dessen anfangs nur lose Besiedlung erfolgte erst Jahrhunderte später, brachte jedoch für den einmal fixierten Standort der Pfarrsitze in der Höhe meist keine Veränderung. Diese Talwärtsverschiebung des Verkehrs setzte greifbar im 10. Jahrhundert mit der Übersiedlung des Bischofssitzes von Säben herunter zum Reichshof „Prihsna” um 901-967 jedoch nur allmählich ein, d. h. der Verkehr hat noch bis gegen 1200 den Höhenweg bevorzugt. Namentlich zeigt sich dies in der Siedlungsentwicklung von Klausen, wo die Anlage der neuen Talstraße erst in den ersten Jahrzehnten des 13. Jahrhunderts begonnen hat. Untrügliche Indizien für diesen Vorgang und für die Talwärts-Verlagerung des Verkehrs sind die Gründung des 12-Apostel-Spitals in der Eisackau nördlich von Klausen um 1210 (vgl. oben!) sowie die seit ca. 1228 nachweisbare planmäßige Anlage der Stadtgasse von Klausen mit ihren planmäßig ausgesteckten Bauparzellen bzw. Häuserzeilen beiderseits der neuen Talstraße.

10  320x240 saeben Chronik Die Verlagerung des Hauptverkehrs herab auf den Talboden bedeutete jedoch in keiner Weise, dass fortan die Höhenwege nicht mehr benützt worden wären. Hier muss man ganz entschieden zwischen dem überregionalen Transitverkehr von Politik und Handel, aber auch der Rompilger etc. und dem lokalen Verkehr unterscheiden, welcher der Kommunikation von Dorf zu Dorf, von Pfarre zu Pfarre gedient und besonders in Kriegszeiten größte strategische Bedeutung erlangt hat. All dies sowie die Wechselbeziehungen innerhalb der Pfarren und Gemeinden, die Prozessions- und Kreuzwege. spielten sich weiterhin auf den uralten Wegen auf den Talterrassen, Talhängen und Talübergängen etc. ab, wie z. B. in das Sarntal oder über Lüsen und Afers in das Gadertal. In unserer Zeit wurden diese Wege dann vielfach sogar zu relativ wichtigen Straßen umgebaut, die heute für die lokale Wirtschaft ebenso wenig verzichtbar wären wie für den Fremdenverkehr. Man denke etwa an die berühmt gewordenen Dolomitenstraßen.

Während die erste Welle der Christianisierung vom Patriarchat Aquileia her betrieben worden ist, was z. B. in den Pfarrpatrozinien von Albeins, den heiligen Fortunat und Hermagoras, dauerhafte Spuren hinterließ, erfolgte der zweite Schub der Christianisierung von Norden her und vollzog sich teilweise in enger Verbindung mit der bayerischen Landnahme seit dem 6. Jahrhundert. Untrügliche Zeugen dieses für den größten Teil Tirols maßgeblichen Vorganges, der sich fortan durch Jahrhunderte fortgesetzt hat, sind im hier behandelten Brixner Becken Ortsnamen wie Aicha, Rodeneck, Mühlbach, die Fra-, Griesbruck, Feldthurns, Pfeffersberg, Schrambach, Neustift etc. sowie unzählige Flurnamen, wie z. B. Eisackau, Roßlauf etc. Hinsichtlich der politischen Geschichte des Brixner Raumes ist festzustellen, dass es den Fürstbischöfen, die ja seit der Grafschaftsverleihung im Jahre 1027 die Herrschaftsgewalt in der gesamten Grafschaft zwischen dem Tierser- und dem Thinnebach im Süden bis zu Melach und Ziller im Inntal allein inne hatten, nur teilweise möglich war, diese gegenüber ihren „hilfreichen” Vögten zu behaupten.

So gelangten – allein im Eisacktal – die Landgerichte Rodeneck (Südgrenze Aferer Bach), Gufidaun (südwärts bis zum Grödner Bach) und Kastelruth sowie Völs (südwärts bis zum Tierser Bach), aber auch Feldthurns bis 1497 als fürstbischöfliche Erblehen an die Inhaber der Grafschaft Tirol. In der durch die betreffenden Wappen symbolisierten Darstellung der Hemschafts-Verfassung des „Hochstifts” oder geistlichen Fürstentums Brixen in der sogenannten Hofrats-Wartestube der Brixner Hofburg wird dies ausgedrückt durch die Wappen von Tirol Lind Görz und die Bemerkung „(Tirol und Görz) haben vom Stift Brixen zu Lehen” die Gerichtsherrschaftcn Rodeneck, Gufidaun, Kastelruth und Völs sowie Schöneck, Michaelsburg, Taufers und Utteiiheiiii, weiters das Passeier- und das Sarntal sowie „Straßburg” (Straßberg statt Sterzing), „Wellenberg” (= Vellenberg bei Innsbruck) u. a.

Dieser Aufzählung der als erbliche Lehen – de facto – an die Grafschaft Tirol verlorenen Herrschaften rechts von den zentralen Wappen des Bistums und des Fürstentunis Brixen in der Hofratswartestube steht links davon eine entsprechende Darstellun- der – mit Ausnahme von Feldthurns – ohne Unterbrechung unter der Regierung der Fürstbischöfe verbliebenen Herrschaften gegenüber. Namentlich sind dies die Herrschaften Brixen, Salern, Pfeffersberg. Feldthurns, Klausen und Säben, Niedervintl, Bruneck, Antholz, Lüsen, Thurn (an der Gader), Buchenstein, Eves (= Avisio bzw. Fassa), Anras, Veldes (in Kram bzw. Slovenien) u. a. – Dieses kombinierte heraldisch – verbale Verzeichnis in Wappenbild und Wort läßt also sehr deutlich erkennen, dass im Brixncr Becken nach 1300 bzw. seit der Wiedergewinnung von Feldthurns 1497 nur die rechte Talseite fürstbischöflich verblieben war, während die Gerichte oder Herrschaften links des Eisacks bereits seit den Tagen Meinhards II. tirolisch-landesfürstlich regiert wurden. Die noch fürstbischöflich verbliebenen Herrschaften wurden dann im Zuge der Auflösung des geistlichen Fürstentums im Jahre 1803 mit der Grafschaft Tirol vereinigt.

Drei Jahre später gelangtcn alle Herrschaften des Brixner Beckens, ebenso wie die ganze Grafschaft Tirol infolge der Bestimmungen des Prcßburger Friedens vom Dezember 1805 an das von Kaiser Napoleon I. Gnaden mit Wirkung vom I . Jänner 1806 neu errichtete Königreich Bayern.

Es wäre nun allerdings irrig zu glauben, dass das Brixner Becken erst durch die Einbeziehung in die Bayerische Herrschaft der Jahre 1806 bis 1814 seinen Anteil an kriegerischen Ereignissen der Tiroler Geschichte mitzutragen gehabt hatte. Vielmehr haben sich alle Stadt- und Landgerichte des Brixner Beckens, ob fürstbischöflich oder tirolisch-landesfürstlich, seit 1499 an allen Einsätzen der Tiroler Landesverteidigung mit vollem Einsatz beteiligt, zumal das Fürstentum seit den Tagen Kaiser Maximilians I. (in Tirol 1490-1519) mit Tirol konföderiert war. Beim Einfall des bayerischen Kurfürsten im Jahre 1703 erreichte der Kriegslärm sogar die Nordgrenze des Fürstentums beim Brixner Kläusl, welche Peter Anich auf seiner Tirol-Karte von 1766/1774 noch eigens eingezeichnet hat. Im Frühjahr 1797 haben die französischen Revolutionstruppen von Süden her Brixen erreicht, mußten sich jedoch nach der erbitterten Gegenwehr der Tiroler Landesverteidiger unter Dr. Philipp v. Wörndle am 2. April in Spinges fluchtartig durch das Pustertal zurückziehen. Damals sowohl als auch noch in den Jahren 1809 und 18 13 kam es bekanntlich auch bei der Mühlbacher Klause, der Ostgrenze des Brixner Beckens sowie bei der Ladritscher Brücke, der südlichen Grenzmarke des „Wipptales”, zu schweren Kämpfen.

Besonders zu leiden aber hatte die ländliche Bevölkerung des gesamten Brixner Beckens, von Milland bis Vahrn und vom Pfeffersberg bis Elvas, unter der rücksichtslosen, generellen Brandlegung aller bäuerlichen Gehöfte am 6. Dezember 1809 durch die französische Soldateska am Ende der in Blut und Tränen erstickten Erhebung Tirols -egen die bayerisch-französische Herrschaft. Zahlreiche Denkstätten (am Domplatz in Brixen, beim Wirt an der Mahr, in St. Leonhard etc.) erinnern noch heute an die damaligen Exekutionen und an die schrecklichen Tage, die in jenen kalten Dezembertagen über das Land hereingebrochen sind. Die Stadt Klausen konnte damals durch die Intervention ihres Bürgermeisters Josef Anton Prelath Edlen von Kaltenburg in letzter Minute vor Brandschatzung und Verwüstung bewahrt werden.

Historische Gestalten

Die Franzosenzeit in Pardell

Gegen Ende des 1. Koalitionskrieges 1796 wollte Frankreich Österreich in die Knie zwingen. Napoleon zwang die Österreicher unter General Wurmser sich in Mantua zu verschanzen. Das grausame Vorgehen der Franzosen ließ die Tiroler erschrecken. Es wurde berichtet von Erpressungen, Diebstählen, Plünderungen, Kirchenschändungen und Vergewaltigungen.

Im Angesicht dieser Gefahr wurde am 1. Juni 1796 in Bozen das Gelöbnis mit dem Herzen Jesu gemacht. Gleichzeitig wurde beschlossen, das verbriefte Recht der Selbstverteidigung zu beanspruchen und den Landsturm aufzubieten.

Bereits im Sommer 1796 rückten die Franzosen durch das Lagertal (südliches Etschtal) vor, wo sie bereits mit Tiroler Schützen, darunter auch Villanderer, in Berührung kamen.

Am 2. Februar fiel Mantua und das französische Heer rückte unter Joubert gegen Tirol während Napoleon über Friaul nach Norden zog. Österreich konnte das Vorrücken nicht mehr aufhalten, jedoch verzögern. Am 20. März waren die Franzosen bereits in Salurn und am 23. März in Bozen.

Südlich von Klausen am Rabensteiner Kofl leisteten Villanderer und Latzfonser erbitterten Widerstand. Sogar die Frauen beteiligten sich. Noch am selben Tag jedoch, 24. März, wurde Klausen besetzt und ein Vortrupp erreichte Brixen.

In Klausen kam es sofort zu Plündereien. Auch in Säben tauchten Plünderer auf. Da am 26. März eine Abteilung von 1 000 Mann nachrückte und darunter auch ein Kommandant herrschte von nun an Ruhe.

Am 31. März wurde in Sterzing unter dem Vorsitz von F.M.L. von Kerpen und G.M. von Laudon der Plan für die Landesverteidigung am 2. April entworfen. Gegen Abend des 1. April erhielten die Latzfonser, Villanderer und Feldthurner von G.M. Laudon Meldung vom bevorstehenden Kampf.

Am Morgen des 2. April bewaffneten sich die Männer und Frauen mit allen Mitteln zum bevorstehenden Kampf. Unterdessen tobte in diesem Tag bei Spinges ein mörderischer Kampf mit 103 Toten und 85 Verletzten auf der Seite der Tiroler.

Die tapferen Mädchen und Weiber von Villanders wurden später in der königlich-kaiserlichen Hofkanzlei in Wien mit ein paar Jahren Verspätung mit einem hochoffiziellem „Belobigungsdekret” ausgezeichnet.

Am 3. April war es soweit. Gegen 5 Uhr rückte ein Trupp Franzosen Richtung Pardell, doch die wehrhaften Männer und Frauen konnten den Angriffen stand halten. Die Franzosen mussten Verstärkung holen. Da mischte sich jedoch der Kaplan Schweiggl ein. Er lud die Herren um Hptm. Renard zum Essen ein und erklärte die Lage der Bauern:

“Man kämpfe, um Familie und Eigentum vor den raubsüchtigen Soldaten zu schützen und weil man über die Plünderungen von Kirchen und Kloster Säben erbost sei.”

Der Kaplan versicherte daraufhin den Bauern für die Zukunft die volle Sicherheit zu gewährleisten.

Die Bauern hatten von Laudon den Auftrag keinen Feind auf die Höhen hinaufzulassen. Sie sahen es als Pflicht für Glaube, Fürst und Vaterland zu kämpfen. Dieses Ziel war durch den Friedensvertrag erreicht. In Zukunft durfte sich kein Franzose auf den Anhöhen um Klausen blicken lassen.

Die Anführer der Bauern waren:

Eisenstecken, Plattner in Verdings;
Bartholomäus Unterthiner, Velsiner und der Wirt Rauter in Latzfons.
Unter dem „Weibervolk“ zeichnete sich im Besonderen Margaretha Prantnerin aus.

Auf Beschluss der Landstände vom 10. August 1997 erhielten die Schützen von Latzfons, Verdings und Pardell je eine eigene Fahne mit dem fürstlich-brixnerischen und dem tirolerisch-landschaftlichen Wappen und der darauf hängenden Ehrenmedaille, der Schütze Anton Püchler die kleine Medaille.
Peter Mayr und der Kampf um Tirol

Dem für Tirol unglücklichen Ausgang der „Dreikaiserschlacht“ bei Austerlitz im Jahre 1805 ist der darauffolgende Friede von Pressburg zuzuschreiben, in dem Österreich harte Bedingungen mit Napoleon eingehen musste. Zu den Gebietsabtrennungen zählte auch Tirol.

Die Tiroler waren mit ihrem ausgeprägten, religiös untermauerten Heimatbewusstsein und ihrer traditionsverbundenen Treue zum Kaiserhause Habsburg mit den Pressburger Bestimmungen nicht einverstanden. Der Tiroler erkannte immer mehr, dass er, gestützt auf seine eigene Kraft, den aktiven Widerstand auslösen müsse.

Vor allem Wirte bekundeten großes Interesse für den Aufstand. So auch Peter Mayr. Er ist spätestens seit 1807 im gleichen Atemzug mit den übrigen Hauptleuten der bevorstehenden Erhebungen zu nennen.

Im Herbstmonat fand sich nämlich ein geheimer „Nationalkonvent“ zusammen. Dabei wurde vereinbart, die bayerischen, aus der Aufklärung stammenden Neuordnungen, die in vielen Gebieten im Land hartnäckig und ohne Kompromisse eingeführt worden waren, nicht mehr zu akzeptieren und so bald wie möglich einen Widerstand mit Waffengewalt wieder die unbeliebten Bayern und Franzosen zu inszenieren.

Peter Mayr, der Wirt an der Mahr, geboren im Jahre 1767, am Maria-Himmelsfahrts-Fest, auf dem Köhlhof in Siffian (Ritten). Er wurde bekannt als „Mann mit vollkommener Gottesliebe“ und „Märtyrer der Wahrheit“.

Um 1800 erwarb er das südlich von Brixen gelegene Quireinhaus, ein Gasthaus mit angrenzender Landwirtschaft, damals schon bekannt unter dem Namen „Wirtshaus an der Mahr“.

Im April 1809 griffen die Tiroler mit Unterstützung vom Hause Habsburg in Innsbruck die feindlichen Besetzer an. Peter Mayr kämpfte damals als Stürmer mit. Da Andreas Hofer sich darauf in der Gegend um Sterzing versteckt hielt, gelang es Peter Mayr in der Gegend um Brixen Schützenkompanien zu sammeln. Der Kapuzinerpater Joachim Haspinger hatte ihm dabei sehr geholfen.

Künftig war Peter Mayr Kommandant der Eisacktaler Schützen. Bei der folgenden Bergiselschlacht am 13. August bildeten die Schützen Mayrs mit denen von Haspinger das Zentrum.

Die Loslösung von Frankreich/Bayern konnte jedoch nicht erreicht werden, der Wunsch der Rückkehr zu Österreich blieb unerfüllt. Österreich konnte Tirol nach dem Schönbrunner Frieden (Oktober 1809) keine Unterstützung mehr zukommen lassen.

Der Racheakt der Franzosen war fürchterlich. Höfe wurden eingeäschert, Menschen schikaniert und die Anführer der Freiheitskämpfe gefangen genommen und hingerichtet.

Peter Mayr brachte es nicht über das Herz das geliebte Heimatland zu verlassen und ins Ausland zu fliehen. Er wurde 1810 steckbrieflich gesucht und von Johann Pichler, Wöhrmaurer zu Feldthurns verraten.

Am 14. Februar wurde Mayr das erste Mal zum Tode verurteilt, am 19. Februar zum zweiten Mal, obwohl von Seiten der Franzosen die Verschonung zugesichert wurde. Vor dem Gericht sollte Peter Mayr sein Wissen vom Schönbrunner Frieden und vom Vizeköniglichen Patent in Abrede stellen, was für ihn einen Freispruch bedeutet hätte. Der Mahrwirt tat dies nicht.

Trotz Flehen der Ehefrau und des Bruders blieb Mayr bei der Wahrheit! Daraufhin wurde er am 19. Februar einstimmig zum Tode verurteilt. Die Hinrichtung folgte am Tag darauf auf der Holzreife in Bozen.

In den Jahren um 1900 erreichten die Peter-Mayr-Ehrungen mit der Errichtung von Denkmälern in Siffian, Bozen und Brixen den Höhepunkt. Trotzdem ist der Mahrwirt bis heute nicht in den ihm zustehenden Rang der Tiroler Freiheitspatrioten vom Jahre 1809 integriert worden.
Conrad-von-Hötzendorf-Denkmal in Lajen-Ried

Nach dem Kriegseintritt Italiens am 23. Mai 1915 war das Österreichische Heer gezwungen in kürzester Zeit eine Front aufzubauen um den erforderlichen Nachschub sicher zu stellen. Da die damals bestehende Straße zwischen Weidbruck und Gröden zu eng war und ein Gefälle von 18 Prozent war ein unverzügliches Handeln gefragt.

Das Landesverteidigungskommando kaufte dem Bozner Ingenieur Josef Riehl das Projekt für eine Lokalbahn Klausen-Gröden ab. Mitte September 1915 wurde mit dem Bau begonnen, am 5. Februar 1916 war die 31,4 km lange Strecke von Klausen nach Plan fertig.

Conrad von Hötzendorf, Generalstabschef der gesamten bewaffneten Macht der Monarchie von 1912 bis 1917, hatte den Bau der Grödner Bahn bereits vor dem Krieg aus strategischen Gründen gefordert und ihn dann unterstützt. Ihm zu Ehren wurde ein Viadukt im Lajener Ried benannt.

Schützenbezirk Brixen

Die Entwicklung des Schützenwesens im Bezirk Brixen

Die jahrhundertlange Tradition des Tiroler Schützenwesens wurde im Süden Tirols in der Zeit der Unterdrückungspolitik der Faschisten strengstens verboten. Erst nach dem zweiten Weltkrieg nahmen die ersten Schützenkompanien allmählich wieder ihre Tätigkeit auf.

Die erste im Bezirk war die Kompanie Latzfons, die auch in der Zeit zwischen 1920 und 1945 eine ununterbrochene Hauptmannfolge aufweist und nach dem Krieg sofort wieder ausrückte. Die Kompanien Weitental (1946 – heute Bez. Pustertal), Lüsen (1948), Pfunders (1949 – heute ebenfalls Bez. Pustertal), Vahrn (1953) und St. Andrä (1955) waren die nächsten, die wieder gegründet wurden.

Mitte der 50er Jahre wurde der damalige SVP-Bezirksobmann Johann Jöchler aus Vahrn ersucht, einige Tiroler Trachtengruppen für einen Festzug in München zu gewinnen. Es gelang ihm, die Schützenkompanie Vahrn, Abordnungen aus Lüsen, Neustift, Spinges, Pfunders, Latzfons, Villanders und St. Andrä zu organisieren. Dies war einer der ersten größeren Aufmärsche von Südtirolern nach dem Ersten Weltkrieg, der zudem in der Presse ein großes Echo fand.

Am 2. März 1958 wurde in Bozen der Südtiroler Schützenbund gegründet, wobei Latzfons, Lüsen, Vahrn und Villanders als Gründungsmitglieder aufscheinen. Noch im selben Jahr wurde der Bund in Bezirke aufgeteilt. Zum Bezirk gehörten die Kompanien Vahrn, Spinges, Lüsen, St. Andrä, Villanders, Latzfons, Weitental und Pfunders. Der erste Bezirksmajor war Johann Jöchler aus Vahrn.

Bereits 1958 bzw. 1959 wurden die Schützenkompanien Afers, Schalders, Neustift, Natz, Schabs, Lajen und Rodeneck wiedergegründet.

Beim großen Festumzug am 13. September 1959 in Innsbruck führte der von 1959 bis 1960 dem Bezirk vorstehende Bezirksmajor und Hauptmann der Kompanie „Peter Kemenater“ von Schabs Ferdinand Falk die Schützen des Bezirkes an. Ing. Bruno Kusstatscher, der erste Hauptmann der 1960 wiedergegründeten Kompanie „Peter Mayr“ Brixen war 1960 bis 1969 zugleich auch Bezirksmajor.

1969 entstand eine Kompanie in Villnöß, 1970 in Feldthurns, 1971 in Vintl (heute Bez. Pustertal), 1975 in Mühlbach, 1978 in Klausen, 1978 ein Schützenzug in St. Peter-Lajen und 1981 die Kompanie Meransen (die Musikkapelle Meransen besteht bereits seit 1928 und nennt sich seit 1972 als Schützenkapelle).

Zur Zeit der Sprengstoffanschläge in den 60er Jahren war das Ausrücken der Schützen verboten. Es kam sogar zu Hausdurchsuchungen und Verhaftungen von Schützen. Das verhängte Verbot des Ausrückens galt bis zum Herbst 1967 und bis 1969 war es untersagt die Fahnen zu hissen und die Hüte mit Federn zu schmücken. Das Tragen der Gewehre und Säbel wurde erst im Jahre 2000 erlaubt.

Trotz dieser anfänglichen Schwierigkeiten gelang es, das Schützenwesen ständig auf- und auszubauen. Durch zahlreiche Feste, Vorträge und Weiterbildungen sowie durch kulturelle und soziale Tätigkeiten des Bezirks und der einzelnen Kompanien konnte das Schützenwesen im Bezirk gefestigt werden.